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Fakultät Maschinenbau

Night Science – Insights

Kreativität – dass ihr in der Wissenschaft eine besondere Bedeutung zukommt, ist unbestritten. Was sie aber genau ausmacht und wie sie gefördert werden kann, dazu existieren vielfältige und mitunter widersprüchliche Vorstellungen. Einen aktuellen Ansatz bildet das Konzept der „Night Science“ von Itai Yanai und Martin Lercher. Ihm liegt die Annahme zugrunde, dass die zunehmende Kommerzialisierung, der Publikationsdruck und die Notwendigkeit schneller Ergebnisse in vielen Forschungsbereichen den Freiraum für radikal neue, risikoreiche Ideen und grundlegende Durchbrüche (oft als "Basic Research" oder "Blue-Sky Research" bezeichnet) stark einschränken. "Night Science" steht hier als Metapher für jene Momente und Räume, in denen Wissenschaftler*innen losgelöst von externen Erwartungen, Projektfristen oder dem Zwang zur sofortigen Verwertbarkeit denken können. Es geht darum, eine Umgebung zu schaffen, die das intuitive, oft auch scheinbar "unproduktive" Grübeln und Experimentieren erlaubt – Prozesse, die paradoxerweise oft die Keimzelle für wirklich disruptive Innovationen sind (Yanai/Lercher 2019). Dies geschieht am besten weder alleine noch in zu großen Gruppen, sondern im Idealfall zu zweit. 

Die VolkswagenStiftung als Deutschlands größte private Wissenschaftsförderin nutzt in ihrem Programm „Night Science – Raum für kreatives Denken“ diesen Ansatz und fördert in einem ersten Durchlauf 10 Tandems aus Wissenschaftler*innen. Mit einem Budget von 200.000 Euro pro Tandem haben die Wissenschafter*innen nun 1 Jahr lang Zeit, ihre individuelle Antwort auf diese Frage zu finden:  

Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Grenzen – wie würden Sie Ihre wissenschaftliche Karriere neu erfinden? Ganz ohne Konventionen oder Einschränkungen.  

Flankiert wird das Förderjahr von mindestens drei Kreativitätsworkshops für die beteiligten Wissenschaftler*innen. 

Aber welches Verständnis von Kreativität in der Wissenschaft liegt hier tatsächlich zugrunde – und kann Kreativität durch dieses in Deutschland einmalige Förderprogramm wirksam gesteigert werden? Zur Beantwortung dieser Forschungsfragen hat die VolkswagenStiftung das Projekt „Night Science – Insights“ an die IngenieurDidaktik vergeben. Prof. Dr. Tobias Haertel hat sich mit diesen Fragen bereits im Kontext von Hochschullehre befasst und gemeinsam mit Prof. Isa Jahnke im BMBF-Projekt „DaVinci: Gestaltung kreativitätsförderlicher Lehr-/Lernkulturen an Hochschulen“ das Modell der 6 Facetten der Kreativitätsförderung in der Lehre entwickelt (Jahnke/Haertel/Wildt 2017). 

Eine Frau füllt einen Fragebogen zum Eye-tracking aus. © Pixabay

Auf den dort eingesetzten Methoden baut Night Science – Insights nun auf und wird einerseits durch einen Methodenmix ein Kreativitätsmodell für den Bereich Forschung entwickeln. Dabei wird auch die Frage zu beantworten sein, ob Kreativität in diesem Kontext eine Kompetenz ist, die grundsätzlich auch erlernt werden kann. Andererseits wird die einmalige Gelegenheit genutzt, das bereits laufende Night Science Programm der VolkswagenStiftung auf seine Wirksamkeit hin zu untersuchen. In Summe werden damit Erkenntnisse erwartet, wie Kreativität in der Wissenschaft am besten gefördert werden kann. 


  • Jahnke, Isa/Haertel, Tobias/Wildt, Johannes (2017): Teachers’ conceptions of student creativity in higher education. In: Innovations in Education and Teaching International, 54 (1), 87–95.
  • Yanai, Itai/Lercher, Martin (2019): Night science. In: Genome Biology, 20 (1), 179.

Projektlaufzeit:  01|2026 - 12|2027
Das Projekt “Night Science – Insights” wird gefördert durch die VolkswagenStiftung

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